13. Registered Trade Mark

Immer mehr ist weniger

Was 1945 mit einem Zeitungsstand in der Altstadt von Modena begann, fand 16 Jahre später seine Bestimmung: mit Sammelbildern italienischer Fußballmannschaften. Heute erreicht Panini alte und junge Fußballfans in aller Welt, ist für diese Art Druckerzeugnisse zum Weltmarktführer aufgestiegen. Die Klebebildchen mit den Fußballern drauf finden sich ja auch (aufgeklebt) in allen Städten, auf allen Wänden dieser Welt, eingeklebt in die Sammelalben aller Ligen dieses Erdballs. Allein bei der WM 1974 in Deutschland (FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 1974TM) wurden 800 Mio. Stück verkauft. Beckenbauer, Maier, Müller & Co. waren nach ihrem Coup gegen Oranje gern gesehen, auch und vor allem überall, worauf sich kleben ließ. Zur FIFA Frauen-WM in Kanada 2015TM (Trade Mark bloß nicht vergessen!!!) brachte die Panini S.p.A. zum ersten Mal das andere Geschlecht auf die Bildchen. Von 24 Doppelseiten à 17 Fußballerinnen (insgesamt 478) lächelten nun auch Mädchen und bald auch von überall herab, dem Fußballinteressierten und allen anderen ins Gesicht.

Fan-Aufkleber sind fester Bestandteil in den Merchandising-Abteilungen aller Vereine, in sämtlichen kommerzialisierten Fußballigen auf dieser Kugel, die sich zwar Erdenrund nennt und doch nur um den Fußball dreht. Die Produkte des Champions aus Italien schaffen es bis ins Kunstmuseum (c/o berlin, Tate Gallery of Modern Art, London, Museu Calouste Gulbenkian, Lisboa etc.) oder werden bei den echten Freaks als heiße Ware auf Ebay gehandelt. Immer wenn die Spannung steigt und in Europa oder global gesehen um Siegespokael gespielt wird, sind die Straßen wie leer gefegt, auch Klebebildchen machen sich rar in der Öffentlichkeit. Um die Sammelalben voll zu kriegen, hält man doppelte und dreifache Exemplare lieber zurück. Um zu tauschen statt zu kleben, so die Devise in Zeiten, wenn Fußball die Welt regiert. Ist das Finale vorbei, finden sich die Konterfeis wieder überall, wo Platz zum Kleben ist.

Am Anfang war Uwe Seeler unverwechselbar im Sammelalbum, wie von Hand retuschiert: „Auf dem Bild befindet sich im Hintergrund ein Mann, der aussieht wie Salvador Allende.“ Wappen, Mannschaftsfoto, 11 Spielerbildchen, 16 Teams insgesamt, das war’s 1970. „Danach hat Panini die Ausweitung der WM schon vorweggenommen“, zieht Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung den Vergleich zwischen Aufstockung der WM und der Dicke des WM-Sammelalbums. Und 2026, mit 48 Mannschaften, „… kleben sich die Leute einen Wolf. 1400 Bilder sind ein Irrsinn.“ Gertz‘ Fazit: Überfüttern verboten! Am Beispiel der Cardbord Gods, Josh Wilkers Buch über seine Basketballer-Bilchen-Sammlung, schwärmt Gertz für die abseitigen Details dieses Sammelticks, Dinge, die sehr, sehr schön sind: Uwe Seeler zum Beispiel und der angebliche Salvador Allende in Mexiko zusammen auf einem Bild. Andere fallen aber sehr hässlich aus, zum Beispiel ein Mammut von einer WM oder eines Fußballalbums, das so keiner haben möchte. Eine aufgeblasene Weltmeisterschaft, so Gertz, ziehe alles herunter, was damit zu tun hat. Nach dem Turnier wird man dann das halb volle Album „auf Ebay einstellen und 5,80 Euro dafür kriegen. Das Uwe-Seeler-Sammelbild von 1970, mit Salvador Allende im Hintergrund, hat neulich 44 Euro gebracht.“