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Berlin – voll krank

Berlin, ja, Berlin ist eine Reise wert. An dieser Stelle schon oft gesagt, schwer betont, voll geschwärmt – doch ich möchte noch einmal darauf zurückkommen. Und sei es aus Mangel an Shoppingangebot, Kulturaufgebot, geheimer und verheimlichter (Feier-) Ausflüchte an/aus hiesiger Ortschaft, Bratwurscht City. Man, um nicht wir zu sagen, fährt/fahren dann eben nach Berlin und – holt sich die Seuche. Nein, nein, kein Grund es mit der Angst zu tun zu bekommen. Sars-CoV-2 hatten wir im vergangenen Jahr und auch das übliche Procedere sine qua non: genesen, geimpft, geboostert. Aus solch‘ vernunftbegabter und umsichtiger Impferei heraus, wäre eine Infektion zwar drin, aber eine Erkrankung an Corona kaum möglich. Und wenn doch, dann nicht mit unheilvoll schwerwiegendem Verlauf, nicht einmal in der Omikron-Variante.

Dafür hat sich der RS-Virus oder ein anderer übler Bazillus bei uns eingenistet: Atemwegserkrankung, die von wegen als einfache Erkältung durchgeht. Alles andere als harmlose Symptome wie Schnupfen, trocken trockenster Husten, Niesen, Niesen und nochmal Niesen, Halsschmerz hier, Halsschmerz dort, und von dort wieder zurück ins Hier, und jetzt auch noch Schüttelfrost, Rasseln im Brustkorb, dickster widerwärtigster Auswurf, blasse Gesichtshaut, durchsichtige Visage, beunruhigende Wangenblässe. Meine Begleiterin in Berlin und wieder zurück auf das schlimmste Krankenlager seit ehedem gesunken, vierzehn Tage Rotz und Wasser, Heisern und Krächzen, HustenHustenHusten bis zu vermeintlicher Erstickung. Mir ging’s kaum besser, kaum geringfügiger und mit umfänglichstem Heilungsprozess verbunden. Und dabei dachte ich immer, als Läufer, der auch ungemütlichster Witterung trotzt, heftigste Winde und kälteste Temperaturen nicht scheut, sei man gefeit vor grippigster Erkältung, Brustgerassel oder Bronchialkatarrh. Meine Frau war sogar jahrzehntelang dagegen gefeit – aber nichts da, potzblitz! Wenn man sich mit kleinen Kindern zusammentut, jetzt also auch noch das: Kita-Virus und – aus, das Spiel ist aus!

Da besteht nun der Verdacht: Heranwachsende, Vorschulkinder und Einrichtungen, in die sie täglich sich zu stätten pflegen… In Berlin haben wir es noch geschafft, und auch von Berlin nach Hause zurück. Dann, kaum einen Tag später, wieder zu Haus, ging’s schon los, und geschwind dahin, in diese entsetzliche Erkältung. In einen Krankenstand hinein, der förmlich stehenzubleiben schien und sich kaum zur Besserung bewegen ließ. Ein einziger Umstand half uns aus Not und Pein – dass es in diesen schlimmen Zeiten noch entsetzlichere Erkrankungen zu überstehen gilt, für viele, dabei könnte längst wieder alles sich zum Besseren gewendet haben. Wenn nicht so viele sich gehen ließen, von ihrer Angst bestimmt ihre Mitmenschen hineinzuziehen, ihre spalterische Skepsis Oberhand gewinnt. Was eine Idiotie, wie sie folgen, darin untergehen, nicht mehr Rettung erlangen, mit letzter Kraft sich ans dialektische Ufer ziehen. Sondern einfach aufgeben, loslassen, wehklagen und herumlamentieren – derb und brutal, verbrecherisch und menschenverachtend und ihr politisches Süppchen darin kochen. Doch wir wollen nicht klagen, denn die Dreikäsehochs und Adoleszens-Anwärter sind noch schlimmer dran. Sie, kaum genesen, scheinbar, auch augenfällig aus dem Schneider, selbst diagnostisch wieder auf die Beine gestellt, kehren zurück, an ihr gewohntes Terrain, Tag für Tag – und zack, alles geht wieder von vorne los. Nächtelange Husterei, vom Rotz angeschmiert, in Tröpfchenmatsch verschmiert, die Viren überall herumgeschmiert. Keuchen, Krächzen, Luftholen, was die Atemwege noch hergeben, um am Ende im Lungensekret zu ersaufen…

Berlin 11.2021