14. Gute/Schlechte Kommunikation

Scheinheiligkeit bestimmt das Geschäft

„Klebt Euch nicht zu“, heißt der Slogan einer großen Kampagne, mit dem ein Aktionsbündnis in Köln samt Stadt und FC Kölle „das falsche Verständnis von Öffentlichkeitsarbeit“ ausradieren will. Auch noch gepusht mit dem geklauten Motto der kritischen Initiative Liebe deine Stadt: „Deine Stadt? Deine Liebe?“ Schon seit 2005 werden monatlich etwa 3.000 Sticker weggekratzt. Ziel: ein sauberes und attraktives Köllsch, alaaf! Werbung inklusive, aber nicht mit Aufklebern, sondern auf sog. City-Postern, Plakaten im öffentlichen Raum, vom Jugend- bis zum Kundenzentrum, von der U-Bahn zum Müngersdorfer, äh, ‘tschuldigung, Rheinenergie-Stadion natürlich. Als Vorbild mit dabei: FC-Profi Christian Clemens und die neue App „Sag’s uns“. Denunziation, technisch installiert, soll vielleicht von fast einem Dutzend Aufklebern ablenken, die im FC-Fanshop angeboten sind: 20 cm2 hoch, für fast 4 Euro das Stück, fertig zum Aufkleben, wohin es das Geißbock-Herz begehrt.

Abgekratzt und -gezupft wird die „immer größer werdende Anzahl an Aufklebern im öffentlichen Straßenland“ von Trupps der Jugendhilfe. Nachgemacht in anderen Städten, die öffentliche Hand, ob Münster, München, Bremen oder Berlin, kommt auf den Trichter, bläst in das Horn der immer gleichen Schimpftirade: angeblich ein millionenschweres Ärgernis! Die Kosten für den Steuerzahler! Oh weh, Vandalen, siebenstellige Summen jedes Jahr! Wer das Aktionsbündnis bezahlt und wie viel, bleibt aber ein Geheimnis. Am Rhein jedenfalls schuften sich benachteiligte Jugendliche ganz schön an Verkehrsschildern ab, am Main fummeln sich Langzeitarbeitslose der Werkstatt Frankfurt (ffmtipptopp) in städtischem Eigenbetrieb die Finger wund, in Nürnberg schickt die Mudra Drogenabhängige und Substituierte auf die Straße. Zum Schluss noch einmal der erhobene Zeigefinger des Stadtdirektors in Köln am goldenen Rhein: „Auch in anderen Großstädten wächst sich das zu einer Form der Kommunikation aus, auf die wir dringend reagieren müssen.“